TwitterRSS-FeedFacebookFlickrYouTubeLinkedIn

Rede von Caroline Schwarz

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Dr. Larsen,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Pedersen,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Bergner,
sehr geehrte Frau Bailes,
sehr geehrte Festversammlung,
meine Damen und Herren,

es ist mir eine Ehre, hier heute unseren Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen zu vertreten: Es ist ihm wegen dringender Dienstgeschäfte leider nicht möglich, heute bei uns in Flensburg zu sein. Er hat mich gebeten, Ihnen seine besten Grüße auszurichten und an seiner Stelle zu Ihnen zu sprechen.

Meine Damen und Herren, heute können wir ein besonderes Jubiläum feiern: Vor 10 Jahren hat Prinz Joachim von Dänemark in einem feierlichen Akt im Beisein zahlreicher hochrangiger Vertreter aus Politik und Gesellschaft Dänemarks und Deutschlands sowie zahlreicher Botschafter europäischer Staaten das European Centre for Minority Issues offiziell eröffnet. Damit war eine Vision Wirklichkeit geworden, die der vorbildlichen Minderheitenpolitik in der deutsch-dänischen Grenzregion eine europäische, eine internationale Dimension gab. Ich freue mich, dass heute viele namhafte Gäste der Einladung gefolgt sind und begrüße stellvertretend für Sie alle die anwesenden Abgeordneten der Parlamente in Kopenhagen, Berlin und Kiel. Die Ansiedlung des ECMI hier an der Grenze zwischen Dänemark und Deutschland war von Beginn an eine Beglaubigung für das politische Klima, das hier in den letzten Jahrzehnten entstehen konnte: Hier ist in der Minderheitenpolitik Neuland betreten und Vorbildliches geleistet worden: Was einmal eine historische Hypothek war, wurde zum Zukunftskapital, das Früchte trägt.

Im Jahre 1955 überwanden der dänische Staatsminister und Außenminister H.C. Hansen und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer Hürden, die sich im Laufe von Jahrzehnten in den Köpfen nicht weniger Menschen festgesetzt hatten. Sie legten mit den Bonn-Kopenhagener Erklärungen ein Bekenntnis zu einer modernen Minderheitenpolitik ab. Beide Staatsmänner haben ihre Unterschriften unter Dokumente der Menschlichkeit und der Völkerverständigung gesetzt. Damit haben sie Mut bewiesen.

Ich danke dem Königreich Dänemark auch heute für die bewegende Jubiläumsveranstaltung zu Ehren des 50. Jahrestages der Bonn-Kopenhagener Erklärungen im letzten Jahr auf Schloss Sonderburg. Sehr bald nach der Unterzeichnung der Erklärungen sollte sich zeigen, dass es nicht nur darum ging, die Grundrechte der Deutschen mit dem dänischen Pass und der Dänen mit dem deutschen Pass zu verankern. Die Erklärungen wiesen weit darüber hinaus:

Es sollte auch darum gehen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Königreich Dänemark und der Bundesrepublik Deutschland allgemein zu fördern und zu festigen.

Schleswig-Holstein hat aufgrund seiner Geschichte eine besondere Beziehung zu Dänemark. Und ich freue mich, dass die beiden Minderheiten kein Zankapfel mehr sind, sondern grenzüberschreitende Brückenbauer. Gerade auch in Fragen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zahlt sich diese wichtige Kompetenz der Minderheiten aus. Davon profitieren wir alle. Und es ist in diesem Sinne charakteristisch, dass die Ideen für eine wissenschaftliche Institution des Minderheitenschutzes mit europäischem Anspruch nicht in die Region hineingetragen, sondern aus der Region heraus entwickelt wurden:

Den Anstoß gab Kurt Hamer, erster Grenzlandbeauftragter der schleswig-holsteinischen Landesregierung: Hamer hatte sich 1991 an den schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Björn Engholm und den Amtsbürgermeister von Sønderjylland Kresten Philippsen gewandt und eine grenzüberschreitende, international anerkannte Institution vorgeschlagen. Damit hatte Kurt Hamer noch kurz vor seinem Tod einen Stein ins Wasser geworfen, der seine Kreise zog: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des ECMI war dann das Hauptgutachten, das der jetzige Generalkonsul Professor Dr. Henrik Becker-Christensen erarbeitet hatte. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhang“ flammten in Osteuropa nationalistische Konflikte auf, es kam zu Spannungen zwischen Minderheiten und Mehrheitsbevölkerungen in verschiedenen Regionen unseres Kontinents. Nun galt es, nicht nur die jahrzehntelange Spaltung Europas zu überwinden. Nun galt es, zu einer neuen Friedensordnung zu kommen. Und es galt, unterschiedliche Nationalitäten und Kulturen und Sprachen zu akzeptieren – als lebendiger Ausdruck einer europäischen Vielfalt in einem gemeinsamen „europäischen Haus“.

Im deutsch-dänischen Grenzland war mit den Jahren der Geist der Bonn-Kopenhagener Erklärung mit Leben erfüllt worden – längst galten ihre Prinzipien nicht mehr nur für die deutsche Minderheit in Dänemark und die dänische Minderheit in Deutschland.

Und nun kam mit dem ECMI eine Aufgabenstellung dazu, deren Realisierung bereits Ausdruck der gewachsenen Freundschaft war. Denn das Institut wird von drei Stiftern gemeinschaftlich getragen:

 

  • dem Königreich Dänemark,
  • der Bundesrepublik Deutschland
  • und dem Land Schleswig-Holstein.

Wir sind uns – so denke ich – einig darin, dass das ECMI aus der Erfahrung der Region schöpft, aber weit darüber hinaus weist:

Das ECMI wirkt mit einer Vielzahl von Konferenzen, Seminaren, Vorträgen, und Publikationen. Das ECMI ist eine Ideenschmiede, ein „Think Tank“ des Minderheitenschutzes, es arbeitet aktiv als Moderator in aktuellen Minderheitenkonflikten und wird auf diese Weise zu einem Werkzeug der Friedenssicherung. Es wirkt als Konfliktforschungsinstitut und es wirkt als Beratungsinstanz für diejenigen, die politische Verantwortung tragen.

Hier liegt, so meine ich, die europäische Bedeutung des Instituts, die zugleich Nutzwert für uns in Süddänemark und Norddeutschland hat: Denn die Arbeit des European Centre for Minority Issues richtet das Augenmerk auf eine Region, die die Spannungen überwinden konnte und auf diese Weise ein Beispiel geben kann. Es führt Delegationen aus verschiedenen Teilen Europas zu uns, um vor Ort zu zeigen, was möglich sein kann. Es stellt die deutsch-dänische Grenzregion als Referenz vor: nicht nostalgisch als eine Art Freilichtmuseum, sondern als lebendige Kompetenzregion der kulturellen Vielfalt.

Denn eines, meine Damen und Herren, ist sicher: Das Europa der Zukunft, das Europa, das die politische Spaltung endlich überwinden konnte, muss ein Europa der kulturellen Vielfalt sein. Der Minderheitenschutz ist dabei ein wesentlicher Indikator für eine zivilisierte Politik. Und ich begrüße es außerordentlich, dass sich das ECMI im nächsten Jahr, dem Jahr der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, auch in Brüssel erneut präsentieren will. Warum nicht vielleicht sogar eine gemeinsame Veranstaltung mit den nationalen Minderheiten und der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen? Ich sage Ihnen dafür die Unterstützung der schleswig-holsteinischen Landesregierung zu!

Meine Damen und Herren, das European Centre for Minority Issues ist eine Erfolgsgeschichte in der deutsch-dänischen Grenzregion und gibt der hier gelebten Minderheitenpolitik eine europäische Dimension.

Im Namen des Landes Schleswig-Holstein und der ganzen schleswig-holsteinischen Landesregierung danke ich allen, die die Arbeit des ECMI fördern und unterstützen. Mein Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ECMI-Teams für ihre engagierte Arbeit. Ich wünsche dem ECMI auch in den nächsten Jahren eine wirksame Arbeit zum Wohle einer friedfertigen Kultur des vielfältigen Miteinanders!

Herzlichen Glückwunsch! Und herzlichen Dank!

ECMI founders:

The German Federal GovernmentThe German
Federal Government
The Danish GovernmentThe Danish
Government
The Federal State Schleswig-HolsteinThe Federal State
Schleswig-Holstein